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Peter Selgs Lausbubengeschichten - von vorbildlichen Männern und Frauen um Rudolf Steiner - oder: Was ist eine 'anthroposophische' Biographie?

Rüdiger Blankertz

Category: Philosophy, Language: D, cover: PB, pages: 37, year: 2004. Zu Facebook hinzufügen Zu Twitter hinzufügen Zu Delicious hinzufügen Zu Google +1 hinzufügen Zu Google hinzufügen Zu Mister Wong hinzufügen

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Ein mehr oder weniger direkter Anlass zu diesem lehrreichen Aufsatz Blankertz war eine Fussnote*** in Peter Selgs «Gerhard Kienle, Leben und Werk» - Eine Biographie (Dornach 2003), die sich auf den sog. Briefwechsel**** zwischen Ballmer und Kienle bezieht. Es geht in diesem Aufsatz Blankertz nicht vorrangig um Peter Selg (und soll diesen auch nicht verunglimpfen*****), sondern es geht vielmehr um das Wesen von Biographien.

Biographisch interessant ist u.a., dass Ballmers Kritik (aufgrund einer Indiskretion Poppelbaums) Kienle genau in der arithmetischen Mitte seines Lebensalters traf. Als anthroposophischer Arzt und Wissenschaftler wollte Kienle die Anthropologie (Stichwort 'motorische Nerven') mit der Anthroposophie Rudolf Steiners in Einklang bringen. Ballmer versuchte Kienle zu erklären, dass es laut Rudolf Steiner keine 'motorischen Nerven' gäbe. Kienle brauchte dann noch 30 Jahre, um sich der Tragweite des damaligen Anliegen Ballmers bewusst zu werden, wie Blankertz aus dem letzten (anthroposophischen) Vortrag Kienles ableitet. Kienle starb ein Jahr nach diesem Vortrag überraschend an einer Krankheit.

    "Die Wirklichkeit der Anthroposophie stellt sich als die umfassende, aber derzeit noch kaum zur Kenntnis genommene Forderung des modernen Lebens nach der Bewußtwerdung seiner selbst in jedem einzelnen dar. Wird sie ignoriert, so bedeutet dies neben anderem a u c h, daß die seit 1904* gelebten Biographien per se unvollständig geblieben sind und bleiben, indem sie sich selbst nicht als ihre eigene Aufgabe erfassen. Die Aufgabe des Selbstbezugs innerhalb der Biographie ('Bewußtseinsseele') als die Frage nach der ' S c h ö n h e i t der B i o g r a p h i e ', die in der bewußten Übereinstimmung mit sich selbst gefunden werden muß, bleibt dann  u n g e l ö s t."

    – Zitat, p24

    *) "Was ist eine anthroposophische Biographie?

    Seit Rudolf Steiner 1904 sein Buch 'Theosophie' veröffentlichte, darf bei solchen Personen, die es wenigstens  d u r c h g e l e s e n  haben, als bekannt vorausgesetzt werden: Jeder von uns hat eine eigene Biographie, auch wenn er keinen Biographen findet. Allerdings ist es nach Rudolf Steiner ein gravierender Unterschied, ob man sich diese Tatsache der je eigenen Biographie klar macht oder ob man sie bloß empfindet. Aus der denkenden Klärung des Erlebnisses 'Ich habe eine Biographie' geht nämlich die logische, aber dann auch erlebbare Notwendigkeit hervor, daß ich als Mensch das Wirken meines biographischen Lebenszusammenhangs nur dann empfinden kann, wenn ich aus dem bloßen Ablauf der Lebensvorkommnisse  h e r a u s  - und demselben  g e g e n ü b e r  trete. Das besagt: Indem ich die Tatsache der eigenen Biographie beobachte (mich  d e n k e n d  mit ihr auseinandersetze), wird mir klar:  d i e s e   W a h r n e h m u n g  mache  i c h  n i c h t   a l s   L e b e n d e r,   s o n d e r n   a l s   T o t e r   b z w.   U n g e b o r e n e r.  [...] - Für ein unbefangenes Denken ist das Erlebnis 'Ich habe eine Biographie' der  u n m i t t e l b a r e   B e w e i s  für die Tatsache einer geistig-übersinnlichen Existenz vor und nach dem gegenwärtig sich abspielenden Leben. Sie ist der 'Nachweis' der  R e - I n k a r n a t i o n  d e s  G e i s t e s.  Eine offene Frage ist es dann allerdings, was mein biographisches Ich mit diesem Geist zu tun hat."

    – Zitat, p22f

    "In der Evolution und Involution der individuellen Pflanze findet man ein Abbild dieses Prozesses**. Die Mutterpflanze nimmt gegenüber den auf sie wirkenden Kräften im Laufe ihres Wachstums eine solche Entwicklung, daß sie zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu blühen anhebt, damit ihre vegetative Phase abschließt und abzusterben beginnt. Beim Blühen finden Vorgänge statt, die Rudolf Steiner als die Chaotisierung des vorgegebenen Pflanzenwesens bezeichnet. In der Blüte treffen sich die kausale und die finale Bewegung und erzeugen das Samenchaos. In der Chaotisierung der Samenanlage bildet sich der Keim der neuen Pflanze vor. Der Keim geht also nicht etwa aus der Mutterpflanze hervor. Letztere gibt nur die Gelegenheit her, daß sich die kosmische Urkraft der Pflanze in einem physischen Dasein zur Erscheinung kommen kann. Diese Gelegenheit ist eben die Blüte. In der Blüte sehen wir die Pflanze in einer Gestalt erscheinen, die ihrem Wesen am ehesten entspricht. Die Blüte ist aber zugleich der 'Tod' des individuellen Wachstumsimpulses."

    – Zitat p30f

    **) "GA 107, S. 295 Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, 17. Juni 1909, Evolution, Involution und Schöpfung aus dem Nichts, passim, z.B.: S. 301 «So haben wir, wenn wir das Maiglöckchen anschauen, zwei Zustände zu unterscheiden. Ein Zustand ist, wo das ganze Wesen des Maiglöckchens Involution ist: der Same enthält das Wesen eingewickelt, involviert. Indem es herauswächst, geht es in die Evolution über, dann aber schlüpft das ganze Wesen des Maiglöckchens wieder in das werdende, neue Samenkorn hinein. So wechseln Evolution und Involution in der Aufeinanderfolge der Zustände des Wesens einer Pflanze. Während der Evolution verschwindet das Geistige immer mehr und mehr und das Physische wird mächtig, während der Involution wird das Physische immer mehr schwinden, und das Geistige wird mächtiger und mächtiger. ... Aber es ist nun ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Menschen und der Pflanze. Wir können bei der Pflanze sprechen von Evolution und Involution, aber wir müssen beim Menschen auch noch von einem Dritten sprechen,» [der Schöpfung aus dem Nichts]."

    – Zitat, Fussnote p30

***) "In der Biographie Gerhard Kienles (* 22.11.1923 Madrid, † 2.6.1983 Herdekke) handelt Peter Selg dessen  z e n t r a l e s  biographisches Ereignis, nämlich seine geistige Konfrontation mit Rudolf Steiner durch  K a r l  B a l lme r  (1891 — 1958), in einer  s c h ä b i g e n  Fußnote (Nr. 303, Band I, S. 161) ab, die den ganzen damit ausgelösten tief bedeutsamen Vorgang in der Seele Kienles als ein bloßes 'Ärgernis' darstellt. (Es bleibt einer gesonderten Darstellung vorbehalten, die Voraussetzungen aufzudecken, aus denen heraus Peter Selg zu dieser fatalen Fehleinschätzung eines wichtigen Ereignisses in der Geschichte der anthroposophischen Bewegung kommt und worin dieses Ereignis eigentlich besteht. Hier soll nur eine Skizze gegeben werden.)"

– Zitat, p31

****) "sog.", denn ein Briefwechsel kam nicht zustande, weil Kienle inhaltlich überhaupt nicht auf Ballmers Kritik antwortete. Näheres hierzu in Gerhard Kienle und Karl Ballmer - oder: Das Recht Rudolf Steiners in der Anthroposophie [1983-2004] Zugleich ein Nachtrag zu Karl Ballmer: Briefwechsel über die motorischen Nerven" (2004) von Blankertz genauer ausgeführt wird.

*****) "'Lausbube' war ursprünglich eine Bezeichnung für Ministranten in der katholischen Messe. Als diese noch in Latein gelesen wurde, lautete der Liturgieteil für die Ministranten 'L a u s   t i b i   C h r i s t e' ('Lob dir Christus'). [...] Das deutsche Wörterbuch meint, der Lausbub bedeute hier ein Subjekt, das kein übles Ingenium habe, aber sich durch einen  s c h ä b i g e n  Willen unnütz macht. Im Grunde besteht der Lausbube also darin, daß dieser etwas mit  W o r t e n  lobt, ohne es auch im Bewußtsein  t u n  zu können. Denn dazu bräuchte er — Anthroposophie. Der 'schäbige Wille', der in der Fußnote 303 des Selgschen Buches über Gerhard Kienle aus dessen zentralen Biographie-Ereignis ein bloßes Ärgernis macht, [...]"

– Zitat, p37


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