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Type first few letters of name: Autor Titel


Die Geheimwissenschaft im Umriss

Rudolf Steiner

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Volltext verfügbar in doc oder PDF auf anthroposophie.net bzw. anthrowiki.info

Rezension © (2004) by interesting-books-selector.com

RS schreibt in der "Geheimwissenschaften" (p35; alle Seitenangaben beziehen sich im folgenden auf die Originalausgabe der 15.ten Auflage, 1920), dass das "Ich" das Vergangene in die Gegenwart rettet, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Das unterscheidet uns von den Tieren (und auch von Pflanzen). Diese Erkenntnis deckt sich soweit mit den Ergebnissen der Hirnforschung (siehe z.B.: Wolf Singer).

"Dasjenige was dem Wissen Dauer gibt, bezeichnet man als Seele."
-- Zitat RS, p39.

RS wurde nach Veröffentlichung des Buches Mysterienverrat vorgeworfen. Das alleine sollte Antrieb genug sein, dieses Buch zu lesen. Aber diejenigen, die noch nicht soweit sind "das Verborgene in allem Offenbaren" (p44) zu verstehen, schlafen beim Lesen der ersten 50 Seiten ständig ein und viele werden es deshalb sowieso nicht zu Ende lesen. Interessant ist z.B. zu erfahren (p49), wie "wahre" Kunst auf den Empfänger wirkt und warum die Kunst eine ungeheure Bedeutung für die menschliche Entwicklung hat. Wenn der Künstler z.B. ein Komponist ist, dann ist der Hörer einer Interpretation dieser Musik der Empfänger der äusseren Form (Ton) des Kunstwerkes. Die geistigen Untergründe dieser Form kann er mit Vorstellung und Gefühl durchdringen kann, so dass sein "Ich" Impulse empfängt, die bis auf den Lebensgeist wirken. Dem Lebensgeist (Ätherleib) entspricht "Buddhi" in der morgenländischen Weisheit; das Geistselbst (Astralleib) entspricht "Manas".

Obwohl RS ein Theosoph der europäischen Mystik war, kann man "Die Geheimwissenschaft" mit Kalu Rinpoches Buch parallel lesen ohne Widersprüche zu finden.

Es lohnt sich einige Kapitel der "Geheimwissenschaft" mehrfach zu lesen. RS ersetzte für mich auf brilliante Weise einen Grossteil der Buddhismus-Literatur. Seine Darstellungen sind logisch aufgebaut und kommen ohne die m.E. für westliche Kulturkreise übertriebene Symbolik des Buddhismus aus, die mir jetzt allenfalls nur noch als Ergänzung dient.

Nicht nur die "Geistesschüler"-Übungen, sondern auch alles was RS über Wiedergeburt und über die Auswirkungen des Karmagesetzes schreibt, fand ich sehr interessant.

Der Buddhismus ist keine dogmatische Religion, sondern eine Philosophie. Das gleiche gilt für die Schriften von RS, der im übrigen die buddhistische Lehre sehr gut kannte.

Es ist empfehlenswert, "Die Philosophie der Freiheit" (1894) vor und die "Wie erlangt man die Erkenntnis der höheren Welt?" (in englisch "Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment") nach der "Geheimwissenschaft" (1904) zu lesen.

-- leicht gekürztes Zitat aus "Die Geheimwissenschaft", p361

Für diejenigen, die es nicht abwarten können in "Die Geheimwissenschaft" hineinzuschmecken, im folgenden einige Auszüge.

-- kein wörtliches Zitat, sondern meine zusammenfassende, stark gekürzte Version der Seite 312.

-- dito, p323.

-- dito, p337

Nun in Form von wenigen Auszügen ein Schnellkursus der drei Entwicklungshauptstufen, von der imaginativen Welt über Inspiration zur Intuition:

-- dito p340/341

-- Zitat, p344

-- Zitat, p352

-- Zitat, p353/354

-- Zitat, p358

-- Zitat p360/361

-- kein wörtliches Zitat, sondern meine zusammenfassende, stark gekürzte Version der Seiten 370/371/374

-- dito, p375/376.

-- dito, p377

-- dito, p385 (wörtlich)

- dito, p392/393 (verkürzt)

-- dito, p398 (wörtlich)

-- dito, p399,403/404/405 (zusammenfassend)

-- dito, p444/445 (teilweise zusammenfassend)

Das gesamte Buch "Die Geheimwissenschaften" ist auch in englisch online: "Occult Science".

Hier der von RS vorgeschlagene Leitfaden zum erreichen der höheren erkenntnis im sinne der einweihung (initation), gekürzt aus Seite 419:

  1. studium der Geisteswissenschaft (d.h. seine bücher).
  2. erwerb der imaginativen erkenntnis.
  3. lesen der verborgenen schrift (entsprechend der inspiration).
  4. sich-einleben in die geistige umgebung (entsprechend intuition).
  5. erkenntnis der verhältnisse von mikro- und makrokosmos.
  6. sich Einswerden mit dem makrokosmos.
  7. Gesamt-erleben der vorherigen erfahrungen als Eine Grund-Seelenbestimmung.
das muss nicht nacheinander sein, sondern kann gemischt angegangen werden.

lt. RS sollte man sowohl jegliche überschwengliche freude, sowie den trieb des unwillkürlichen weinens ablegen, sich bewusst sein, wie man fühlen, erfahrung und denken zusammenhängen,

lt. RS gibt nur drei wege, ähnlich des dharma der buddhisten:

  1. den rein geistigen ("Die Philosophie der Freiheit". schwer zu lesen für nicht-logik-freunde).
    vorteil: es geht ganz ohne körperlich und geistige konzentrationsübungen. d.h. man kann diesem weg überall in jeder lebenslage gehen. es geht um die reine erkenntnis der funktionsweise des denkens.
  2. den weg der imagination/inspiration/intuition, den man mit der rosenkreuz-visualisierung* klassifizieren könnte.
    vorteil: weniger abstrakt. geeignet für leute, die nicht abstrakt und selbstbezüglich (rekursiv) denken können oder wollen. hier ist täglich 5 min. meditation bei absolut unverspannter verfassung und bei absoluter ruhe nötig. am besten morgens vor dem frühstück würde ich sagen. beten ist nicht notwendig. (sowas habe ich in keinem seiner wichtigsten zehn Bücher gefunden, obwohl er nie etwas gegen die christliche oder andere religionen sagte.)
  3. der reine gefühlsweg. dazu ist für eine zeitlang der rückzug in die vollkommene abgeschiedenheit nötig. erfolg aber m.W. nach nur bei denen möglich, die ein starkes seelenleben empfinden.
alles natürliche ohne gewähr! nichts ersetzt das selbstlesen seiner originalwerke.

Viel Glück und Erfolg!

*) die RS-rosenkreuz-visualisierung in vier zeilen zusammengefasst geht in etwa wie folgt: versuche sieben rote rosen im kreis angeordnet auf einem schwarzen Kreuz im geiste zu visualisieren, ohne an was anderes zu denken, nachdem du dir rote rosen alleine und den darin strömenden roten pflanzensaft und davor noch normale blumen mit den darin strömenden grünen pflanzensaft vorgestellt hast.

Die Rosenkreuz-Meditation

" Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?"
-- Zitat aus Goethes unvollendetem Märchen "Die Geheimnisse", siehe The Mission of Rudolf Steiner von Dr. Ernst Katz, Nov-2004.

flow1
"Man stelle sich eine pflanze vor, wie sie im boden wurzelt, wie sie blatt nach blatt treibt, wie sich die blüte entfaltet. Und nun denke man sich neben diese pflanze einen menschen hingestellt. Man mache den gedanken in seiner seele lebendig, wie der mensch eigenschaften und fähigkeiten hat, welche denen der pflanze gegenüber vollkommener genannt werden können. Man bedenke, wie er sich seinen gefühlen und seinem willen gemäss da und dorthin begeben kann, während die pflanze an den boden gefesselt ist. Nun aber sage man sich auch: ja, gewiss ist der mensch vollkommener als die pflanze; aber mir treten dafür auch an ihm eigenschaften entgegen, welche ich an der pflanze nicht wahrnehme und durch deren nichtvorhandensein sie mir in einer gewissen hinsicht vollkommener als der mensch erscheinen kann. Der mensch ist erfüllt von begierden und leidenschaften; diesen folgt er bei seinem verhalten. Ich kann bei ihm von verwirrung durch triebe und leidenschaften sprechen. Bei der pflanze sehe ich wie sie den reinen gesetzen des wachstums folgt, von blatt zu blatt, wie sie die blüte leidenschaftslos dem keuschen sonnenstrahl öffnet. Ich kann mir sagen, der mensch hat eine gewisse vollkommenheit vor der pflanze voraus; dass er zu den mir rein erscheinenden kräften der pflanze in seinem wesen hat hinzutreten lassen triebe, begierden und leidenschaften.
flow2
Ich stelle mir nun vor, dass der grüne farbensaft durch die pflanze fliesst und dass dieser der ausdruck ist für die reinen, leidenschaftslosen wachstumsgesetze.
Und dann stelle ich mir vor wie das rote blut durch die ader des menschen fliesst und wie dieses der ausdruck ist für die triebe, begierden und leidenschaften. Das alles lasse ich als einen lebhaften gedanken in meiner seele erstehen.
Dann stelle ich mir weiter vor, wie der mensch entwicklungsfähig ist; wie er seine triebe und leidenschaften durch seine höheren seelenfähigkeiten läutern und reinigen kann. Ich denke mir, wie dadurch ein niederes in diesen trieben und leidenschaften vernichtet wird und diese auf einer höheren stufe wiedergeboren werden. Dann wird das blut vorgestellt werden dürfen als der ausdruck der gereinigten und geläuterten triebe und leidenschaften.
Ich blicke nun z.B. im geiste auf die Rose und sage mir: sage mir: in den roten Rosensaft sehe ich die farbe des grünen pflanzensaftes umgewandelt in das rot; und die rote Rose folgt wie das grüne blatt den reinen, leidenschaftslosen gesetzen des wachstums. Das rot der Rose möge mir nun werden das sinnbild eines solchen blutes, das der ausdruck ist von geläuterten trieben und leidenschaften, welche das niedere abgestreift haben und in ihrer reinheit gleichen den kräften, welche in der roten Rose wirken.
flow3
Ich versuche nun, solche gedanken nicht nur in meinem verstande zu verarbeiten, sondern in meiner empfindung lebendig werden zu lassen. Ich kann eine beseligende empfindung haben, wenn ich die reinheit und leidenschaftslosigkeit der wachsenden pflanze mir vorstelle; ich kann das gefühl in mir erzeugen, wie gewisse höhere vollkommenheiten erkauft werden müssen durch die erwerbung der triebe und begierden. Das kann die beseligung, die ich vorher empfunden habe, in ein ernstes gefühl verwandeln; und dann kann ein gefühl eines brefreienden glückes in mir sich regen, wenn ich mich hingebe dem gedanken an das rote blut, das träger werden kann von innerlich reinen erlebnissen, wie der rote saft der Rose. Es kommt darauf an, dass man nicht gefühllos sich den gedanken gegenüberstelle, welche zum aufbau einer sinnbildlichen vorstellung dienen.
Nachdem man sich in solchen gedanken und gefühlen ergangen hat, verwandle man sich dieselben in folgende sinnbildliche vorstellung. Man stelle sich ein schwarzes Kreuz vor. Dieses sei sinnbild für das vernichtete Niedere der triebe und leidenschaften; und da wo sich die balken des Kreuzes schneiden, denke man sich sieben rotem strahlende Rosen in einem kreis angeordnet.
Diese Rosen seien das sinnbild für ein blut, das ausdruck ist für geläuterte, gereinigte leidenschaften und triebe. Eine solche sinnbildliche vorstellung soll es nun sein, die man sich in der art vor die seele ruft, wie es oben an einer erinnerungsvorstellung veranschaulicht ist. Ein solche vorstellung hat eine seelenweckende kraft, wenn man sich in innerlicher versenkung ihrer hingibt.
flow4
Jede andere vorstellung muss man versuchen während der versenkung auszuschliessen. Lediglich das charakterisierte sinnbild soll im geiste vor der seele schweben, so lebthaft als dies möglich ist. -- Es ist nicht bedeutungslos, dass dieses sinnbild nicht einfach als eine weckende vorstellung hier angeführt worden ist, sondern dass es erst durch gewisse vorstellungen über pflanze und mensch aufgebaut worden ist. Denn es hängt die wirkung eines solchen sinnbildes davon ab, dass man es sich in der geschilderten art zusammengestellt hat, bevor man es zur inneren versenkung verwendet. Stellt man es sich vor, ohne einen solchen aufbau erst in der seele durchgemacht zu haben, so bleibt es kalt und viel unwirksamer, als wenn es durch die vorbereitung seine Seelenbeleuchtete kraft erhalten hat.
flow5
Während der Versenkung soll man sich jedoch sich alle die vorbereitenden gedanken nicht in die seele rufen, sondern lediglich das bild lebhaft vor sich im geiste schweben haben und dabei jene empfindung mitschwingen lassen, die sich als ergebnis durch die vorbereitenden gedanken eingestellt hat. So wird das sinnbild zum zeichen neben dem empfindungserlebnis. Und in dem verweilen der seele in diesem erlebnis liegt das wirksame. Je länger man verweilen kann, ohne dass eine störende andere vorstellung sich einmischt, desto wirksamer ist der ganze vorgang.
Jedoch ist es gut, wenn man sich ausser der zeit, welche man der eigentlichen versenkung widmet, öfters durch gedanken und gefühle der oben geschilderten art den aufbau des bildes wiederholt, damit die empfindung nicht verblasse. Je mehr geduld man zu einer solchen erneuerung hat, desto bedeutsamer ist das für die seele."
-- Zitat p322-326 (ohne Fussnote zu den naturwissenschaftlichen Einwendungen bzgl. eines Sinnbildes der Seite 325. Evtl. tippfehler bitte ich zu entschuldigen; Bilder © (2005) by nilum.com)
flow6

Einige erklärende Zitate zum Rosenkreuzerspruch

"[So] wie er sich als Erdenmensch eingebettet fühlt in der Erdenentwicklung, so erkennt er sich als geistiges Wesen in diesem göttlichen Urquell alles Lebens. Im Innern der Seele lebt die Christus-Kraft, in dem selbstbewußten geistigen Kern in der Ich-Kraft. Über die Leibeshüllen hinaus lebt sie sich dar als der Geist aller Dinge, der Heilige Geist, als eine höhere Ich-Kraft, die das wahre unvergängliche Zentrum alles Seins ist. Im Innern der Seele lebt die Christus-Kraft, in dem selbstbewußten geistigen Kern in der Ich-Kraft. Über die Leibeshüllen hinaus lebt sie sich dar als der Geist aller Dinge, der Heilige Geist, als eine höhere Ich-Kraft, die das wahre unvergängliche Zentrum alles Seins ist.

Wenn der Mensch sich so erkennt als ein geistiges Wesen in diesem Allgeist, so kann er empfinden die Bedeutung der Worte aus dem Rosenkreuzerspruch: «In dem Heiligen Geist werde ich wiedergeboren», denn als neues Wesen steht er da seinem früheren Menschen gegenüber, ein Wesen, das zunächst sich aneignen muß die Eigenschaften und Fähigkeiten, welche es braucht in diesem geistigen Leben, so wie ein Kind lernen muß, seine leiblichen Organe zu benützen in der physischen Welt. Und wiederum muß dieses geistige Wesen in sich erleben die drei geistigen Kräfte, die sich in der kosmischen Entwicklung offenbaren als Fühlen, Denken, Wollen, als Liebe, Weisheit, Kraft. Denn wie das Kind zunächst lernt zu stehen und zu gehen, so muß der Mensch lernen, Richtung und Weg zu finden in der geistigen Welt. Dieses kann nur angeeignet werden mit dem Gefühl, indem er sich allem liebevoll gegenüberstellt. Dann muß er lernen, die Wahrheit zu erkennen, dadurch, daß er die Weltenweisheit, die in ihm ertönt, verstehen lernt, die Laute aus der geistigen Welt in sich erklingen läßt und ihre Bedeutung ahnt, so wie das Kind die Sprache verstehen lernt. Dann lernt er allmählich erkennen das wahre Leben im Geiste, indem er in sich selber ein Zentrum erlebt, von dem seine eigenen Willens- und Lebensimpulse ausgehen, so daß er selber sich offenbaren kann in dem Sprechen und in seinem Wesen. Daher spricht der Christus Jesus die Worte: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.» Niemand kann durchdringen zu dem wahren geistigen Ursprung alles Seins, zu dem Vater, wenn er nicht diese drei Kräfte sich in seinem Geiste ausgebildet hat und sie in der richtigen Art verbindet.

Es stellt sich die Entwicklung des Menschen in demjenigen Symbolum dar, welches gehört zu dem tief bedeutsamen Rosenkreuzerspruch, in dem schwarzen Kreuz mit den roten Rosen. Es empfindet der Mensch dieses Symbolum als etwas Lebendiges, in welchem leben und weben die geistigen Kräfte, die ihn aufgebaut haben so, wie er aus der Gottheit herausgeboren ist. Dann aber weiß er, daß weitere Entwicklung seiner Seele möglich ist durch Anstrengung seiner eigenen Kräfte. Er weiß, daß nicht nur sein Blut rein werden soll wie der rote Pflanzensaft der Rosen, daß auch das schwarze Kreuz sich umwandeln muß, indem er seine Hüllennatur läutert und über das bloß Persönliche hinauswächst, wenn er sich hingibt an etwas unendlich Größeres. Dann stirbt er in dem Christus, und vor seiner Seele verwandelt sich das dunkle, schwarze Kreuz in ein leuchtendes, strahlendes Kreuz. Die roten Rosen erweitern sich zu einem unendlichen Kreise, wenn die Seele sich immer mehr in den Makrokosmos einlebt, bis sie sich selber als dieser Kreis empfindet. Im allumfassenden Makrokosmos erlebt sich dann der Mensch in einem neuen Dasein.

Dann, auf geheimnisvolle Weise, verwandeln sich die Farben des Symbolums, die Rosen zeigen sich grün, das Kreuz weiß. Ahnen kann die Seele nur die volle Bedeutung, indem sie empfindet die Kraft, welche ihr entgegenströmt. Wie aus höheren Geistessphären ihr entgegenstrahlend schaut und erkennt die Seele dieses heilige Symbol. Streng und kraftvoll zeigt es sich als eine Aufforderung zur stetigen Arbeit, damit einmal erreicht werde das große Ideal, welches ein jeder einzelne Mensch verwirklichen kann, wenn er wiedergeboren wird in dem heiligen Geist."
-- Zitat aus dem Kapitel "Zum Rosenkreuzerspruch", in Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914 Briefe, Dokumente und Vorträge aus den Jahren 1906 bis 1914 sowie von neuen Ansätzen zur erkenntniskultischen Arbeit in den Jahren 1921 bis 1924 (GA265 - ISBN-10: 3727426500) von Rudolf Steiner. (Einleitende Bemerkung zu diesem Kapitel: Vermutlich handelt es sich hier um eine Niederschrift von Rudolf Steiner, für die jedoch kein Original vorliegt. Text nach einer handgeschriebenen Vorlage mit dem Vermerk "F. M.")

"Betrachten wir das Rosenkreuz: das Holz des Kreuzes, das ist das Tote, die Rosen sind das Leben, das daraus hervorsprießt."
-- Zitat aus dem Kapitel "Das Dreieck mit dem Auge" - Das Kreuz (Rosenkreuz) beim Altar des Ostens. Aus Instruktionsstunde, München, 12. Dezember 1906; in GA265.
... "Wir haben auch davon gesprochen, wie beim Tode des Christus Jesus auf Golgatha der physische Leib in die physischen Substanzen der Erde eingedrungen ist und wie daraus für einzelne Menschen die Kraft entsprungen ist, um in den ersten nachchristlichen Zeiten die Märtyrerschaft durchzumachen. Zu seiner Zeit hat auch der Ätherleib des Christus als Äthersubstanz sich in die Erde aufgelöst und dadurch hat sich für einzelne Individualitäten die Möglichkeit eröffnet, diese Äthersubstanz in sich aufzunehmen, und dadurch konnten gewisse Verrichtungen durch diese Individualitäten hier auf Erden geschehen.

Auch der Astralleib des Christus gelangte in einer bestimmten Zeit in die Astralsubstanz (aura) der Erde und damit konnten auch wiederum menschliche Astralhüllen umkleidet werden, die gewisse Geschehnisse auf Erden zeitigten. Und jetzt wird die Ich-Substanz Menschen mitgeteilt werden können. Denn wenn auch Jesus von Nazareth bei der Taufe seine drei Hüllen verlassen hat, so blieb doch auch ein Teil der Ich-Substanz bei den Hüllen, und so wurde auch diese Kraft der Erde eingefügt.

Das Neue, was jetzt allmählich den Menschen (mitgeteilt) geoffenbart werden wird, ist eine Erinnerung oder Wiederholung desienigen, was Paulus bei Damaskus erlebt hat. Er schaute die Äthergestalt des Christus. Daß diese aber étzt für uns sichtbar werden soll, rührt von der Tatsache her, daß in der Ätherwelt gleichsam ein neues Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat. Das, was hier in der physischen Welt bei der Kreuzigung stattgefunden hat infolge des Hasses der nicht verstehenden Menschen, das hat sich jetzt auf dem Ätherplan wiederholt durch den Haß der Menschen, die als Materialisten nach dem Tode in die Ätherwelt eingetreten sind.

Man halte sich noch einmal vor die Seele, wie bei dem Mysterium von Golgatha ein Kreuz aufgerichtet wurde aus totem Holz, an dem der Leib des Christus hing. Und dann schauen wir jenes Kreuzesholz in der Ätherwelt als sprießendes, sprossendes Holz, grünes, lebendiges Holz, das durch die Flammen des Hasses verkohlt ist und an dem nur noch die sieben blühenden Rosen erscheinen, die siebenfache Natur des Christus darstellend, dann haben wir da das Bild von dem zweiten Mysterium von Golgatha, das sich etzt in der Ätherwelt abgespielt hat. - Und durch dieses Absterben, dieses zweite Sterben des Christus, ist es möglich geworden, daß wir jenen Ätherleib schauen werden. Die Verdichtung, den toten Teil des Ätherleibes des Christus Jesus werden die Menschen schauen."
-- Aus Instruktionsstunde Berlin, 8. Februar 1913; in GA265.

"In der Atlantis hatte für die Menschen alles, was sie in der Natur um sich hatten, eine wahrnehmbare Sprache. Die Weisheit (in den Wassern enthalten) tönte ihnen ihr Tao entgegen. Im Tautropfen haben wir in unserer Sprache dieselbe Bezeichnung, wie sie das Wort Tao ist für das, was die Wasser der Weisheit den Menschen offenbarten. Tau heißt auf lateinisch: ros, und Kreuz: crux. Roscrux bezeichnet beides dasselbe: das Tao-Zeichen, das Kreuz und den Tau auf den Pflanzen. Dies ist die esoterische Bedeutung des Rosenkreuzes."
-- Notizen von einer Instruktionsstunde ohne Orts- und Datumangabe; in GA265.

Zusätze (12-Nov-2009)
1) Man beachte auch die, die Geheimwissenschaft im Umriss betreffenden Aussagen bzgl. des Trinitätproblems und des Christus-Bewusstseins in "Anthroposophie und Christengemeinschaft" von Karl Ballmer.

2) Eine kritische Stimme zu Steiners Geheimwissenschaft und Anthroposophie:
Auszug aus "Vom Jenseits der Seele, Die Geheimwissenschaften in kritischer Betrachtung" von Max Dessoir (1867 — 1947).


P.S.: Eine kleine Anektode zum Schluss. Am 09-Mai-2004 sendete B2 Radio einen Vortrag von RS zur Reinkarnation, Rosenkreuz Mission und Akasha Chronik. Als ich daraufhin nachforschte was RS noch über Akasha geschrieben hat, erhielt ich durch eine fehlerhafte Interpretation des Ergebnisses eines Suchbefehls das folgende, zusammenhängende Zitat aus dem Vortrag von RS am 10-Okt-1913:

"The soul in the spiritual world is hardly more than a few patches of color."

Das fand ich so wunderschön, dass ich es Ihnen nicht vorenthalten wollte!
Es muss aber betont werden, dass RS das so nicht gesagt hat. Der obige Satz ist zufällig aus zwei Textfragmenten in dem Vortrag entstanden in dem RS über "investigating how Leonardo da Vinci created his famous picture" sprach.