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Westliche und östliche Weltgegensätzlichkeit (GA 83)

Rudolf Steiner

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In english: The Tension Between East and West (GA 083)
In russian: Mirovaya protivopolozhnost' Vostoka i Zapada

Kurzbeschreibung, Zitate und Kommentare - Copyright © (2006) by interesting-books-selector.com

Anhand des Titels dieses Buches könnte man nicht ohne weiteres annehmen, dass Steiner gleich im ersten Vortrag auf seine Philosophie der Freiheit (PdF) eingeht¹, z.b.:

    ich versuchte, unter Aufrechterhaltung einer wirklichen naturwissenschaftlichen Weltanschauung hinter das Wesen der menschlichen Freiheit zu kommen.
    -- Zitat p10
Ein Zitat (p11) soll genügen, um das Niveau dieser Vorträge zu demonstrieren:
    Bin ich also in der Lage, innerhalb jenes Denkens, das gerade die Naturwissenschaft durch ihre Methoden in uns heranzieht, meine moralischen Impulse zu fassen, kann ich moralische Impulse in mir so ausgestalten, dass ich in Ihrer Ausgestaltung lebe in demselben Denken, zu dem mich die Naturwissenschaft erzieht, dann habe ich in diesen im reinen Denken erfassten moralischen Impulsen keine zwingenden Kräfte, sondern Kräfte und Bilder, nach denen ich mich nur selbst bestimmen kann.
    Das heisst: Wenn Naturwissenschaft auch noch so sehr - man möchte sagen, sogar mit gewissem Rechte - aus ihren Untergründen heraus die Freiheit² leugnen muss, so erzieht sie, indem sie zu dem Bilddenken erzieht, den Menschen unserer Kulturwelt zur Freiheit.
Damit die Zuhörer solchen langen Sätzen und Zusammenhängen in einem Vortrag folgen können, muss Steiner sie wohl hypnotisiert haben; oder sie vertrösteten sich auf die Möglichkeit des Nachlesens im Transkript. Aber warum haben dann viele die Strapazen der Anreise zu diesem Kongress auf sich genommen? Jedenfalls findet er sehr schnell den Übergang zur östlichen Philosophie; auf p14 erklärt Steiner schon den Jogaweg und den damals in der asiatischen Kultur dabei erreichbaren Bewusstseinszustand. Hier ein Auszug aus "ERSTER VORTRAG ANTHROPOSOPHIE UND NATURWISSENSCHAFT", Wien, 1. Juni 1922:
    [...] "daß ich diese älteren Erkenntniswege nicht etwa aus dem Grund schildere, weil ich sie heute irgend jemandem anempfehlen möchte, um höhere Erkenntnisse zu erringen. Sie sind älteren Epochen angemessen und können heute dem Menschen, wenn er sie aus einem Irrtum heraus auf sich anwendet, sogar schädlich werden. [...] aus der Fülle der älteren Erkenntniswege auch andere herausgreifen, [...] Der Jogaweg hat mannigfaltige Phasen durchgemacht [...] Was in früheren Zeiten eine echte Erkenntnismethode sein konnte, wurde vielleicht später nur verwendet, um dem Machtkitzel der Menschen, dem Machtkitzel des einzelnen Menschen gegenüber seinen Mitmenschen zu frönen. Das war in den ältesten Zeiten, für die ich die Jogaübung charakterisieren möchte, nicht der Fall.
        Worin bestand der Jogaweg, der in sehr alten orientalischen Zeiten von einzelnen, die, wenn wir den heutigen Ausdruck gebrauchen wollen, Gelehrte in höheren Weltengebieten bildeten, gegangen worden ist? Nun, er bestand neben anderem in einer besonderen Art von Atmungsübungen. Ich greife die Atmungsübungen aus einer Fülle von Übungen, die der Jogaschüler oder -Gelehrte, der Jogi, auf sich nehmen mußte, heraus. Wenn wir heute auf unser Atmen achten, so müssen wir sagen: Es ist ein Prozeß, der sich im gesunden menschlichen Organismus zum größten Teil unbewußt vollzieht. Man muß schon in irgendeiner Weise etwas Krankhaftes in sich tragen, wenn man das Atmen spürt. Je selbstverständlicher, so möchte man sagen, sich der Atmungsvorgang in unserem Leben abspielt, desto richtiger ist es für das gewöhnliche Bewußtsein und für das gewöhnliche Leben. Der Jogi aber gestaltete für die Zeit seines Übens, in der er sich Erkenntniskräfte anentwickeln wollte, die im gewöhnlichen Bewußtsein nur schlummern, den Atmungsprozeß um. Warum tat er das? Er gestaltete ihn so um, daß er eine andere Zeitlänge zum Einatmen, zum Atemhalten, zum Ausatmen verwendete, als man das im gewöhnlichen selbstverständlichen Atmen tut. Er tat das, um sich den Atmungsprozeß zum Bewußtsein zu bringen. Der gewöhnliche Atmungsrhythmus wird nicht bewußt. Der umgestaltete Atmungsrhythmus, der aus der menschlichen Willkür heraus in seinen Zeitlängen festgesetzt wird, der verläuft vollständig bewußt. Was aber geschieht dadurch? Nun, man braucht sich nur physiologisch auszudrücken, wenn man einsehen will, was der Jogi erreichte durch dieses Sich-zum-Bewußtsein-Bringen seines Atmungsprozesses: Wenn wir einatmen, geht der Atemstoß in unseren Organismus hinein, er geht aber auch durch den Rückenmarkskanal in das menschliche Gehirn hinein. Da vereinigt sich der Rhythmus der Atmungsströmung mit den Vorgängen, welche die materiellen Träger des Gedankenlebens sind, mit den Nerven Sinnesvorgängen. Wir haben eigentlich niemals, wenn wir im gewöhnlichen Denken leben, bloße NervenSinnesvorgänge, sondern immer Nerven-Sinnesvorgänge, die durchströmt sind von unserem Atmungsrhythmus. Eine Verbindung, ein Ineinanderwirken, ein SichHarmonisieren der Nerven-Sinnesvorgänge und der Atmungsrhythmus-Vorgänge, die finden immer statt, wenn wir unser Gedankenleben ablaufen lassen. Indem nun der Jogi in vollbewußter Weise seinen veränderten Atmungsrhythmus in den Nerven-Sinnesprozeß hineinschickte, verband er auch für sein Bewußtsein den Atmungsrhythmus mit dem Denkrhythmus, mit dem logischen Rhythmus, besser gesagt, mit der logischen Zusammensetzung und Analyse der Gedanken. Dadurch veränderte er sein ganzes Gedankenleben. Nach welcher Richtung veränderte er es? - Nun, gerade dadurch, daß ihm sein Atmungsleben voll bewußt wurde, durchströmten gewissermaßen die Gedanken nun ebenso seinen Organismus wie die Atmungsströmung selbst. Man möchte sagen: der Jogi ließ auf den Atmungsströmungen die Gedanken laufen, und er erlebte sich im inneren Rhythmus seines menschlichen Wesens erfüllt mit auf den Strömungen des Atmens lebenden Gedanken. Dadurch hob sich der Jogagelehrte heraus von der übrigen Masse seiner Mitmenschen, und er konnte dieser Masse Erkenntnisse verkünden, die sie selber nicht haben konnte.
        Um einzusehen, was da eigentlich geschah, muß man ein wenig hinschauen auf die besondere Art, wie die älteren Erkenntnisse im gewöhnlichen populären Bewußtsein der Menschenmassen wirkten.
        Wir legen heute den größten Wert darauf, daß, wenn wir in die Außenwelt hinausschauen, wir reine Farben schauen, daß, wenn wir Töne hören, wir reine Töne hören, und daß wir ebenso die übrigen Wahrnehmungen in einer gewissen Reinheit, das heißt in der Reinheit, wie sie uns der bloße Sinnesprozeß geben kann, hinnehmen. Das war für die Bewußtseine älterer Kulturmenschen nicht so. Nicht daß, wie vielfach irrtümlicherweise eine gewisse Gelehrsamkeit glaubt, die Menschen älterer Zeiten in die Natur allerlei hineinphantasiert hätten! Die Phantasie war nicht so außerordentlich wirksam. Aber es war dieser älteren Kulturmenschheit durch die ganze Konstitution des Menschen der damaligen Zeit ganz natürlich, nicht bloß reine Farbenerscheinungen, reine Tonerscheinungen, reine andere Sinnesqualitäten zu sehen, sondern in allem zugleich ein Seelisch-Geistiges wahrzunehmen. So sah man in Sonne und Mond, in den Sternen, in Wind und Wetter, in Quelle und Fluß, in den Wesen der einzelnen Naturreiche Geistig-Seelisches, wie wir heute reine Farben sehen, reine Töne hören, die wir dann erst mit Hilfe des rein gewordenen Denkens in ihrem Zusammenhang zu erkennen suchen. Damit war aber für die ältere Menschheit ein anderes noch gegeben: nämlich daß damals nicht ein so starkes, innerlich gefestigtes Selbstbewußtsein vorhanden war, wie wir es heute haben. Indem der Mensch Geistig-Seelisches in allen Dingen der Umwelt wahrnahm, nahm er sich selber als ein Glied dieser ganzen Umwelt wahr. Er sonderte sich nicht als ein selbständiges Ich von dieser Umwelt ab. Wenn ich vergleichsweise sprechen wollte, so könnte ich sagen: Wenn meine Hand Bewußtsein hätte, wie würde sie dann denken über sich selbst? Sie würde sich sagen, sie sei kein selbständiges Wesen, habe nur Sinn an meinem Organismus. So etwa hat der ältere Mensch sich nicht als ein selbständiges Wesen ansehen können, sondern als ein Glied der gesamten Natur, die er aber durchgeistigt, durchseelt anschauen mußte.
        Aus dieser Anschauung, die die Unselbständigkeit des menschlichen Ichs bedingte, hob sich der Jogi heraus. Er kam dadurch, daß er sein Denken gewissermaßen zusammenkoppelte mit dem Atmungsprozeß, der die ganze innere Wesenheit des Menschen erfüllt, zu einer Erfassung des menschlichen Selbstes, des menschlichen Ichs. Dasjenige, möchte ich sagen, was für uns heute durch unsere vererbten Eigenschaften, durch unsere Erziehung, wenn wir ein erwachsener Mensch sind, selbstverständlich ist, daß wir uns als Selbst, als Ich fühlen, das mußte in jenen alten Zeiten auf dem Umwege durch Übungen errungen werden. Dadurch aber hatte man von dem Erleben dieses Selbstes, dieses Ichs, etwas ganz anderes, als wir heute haben. Es ist durchaus zweierlei: ob man etwas wie selbstverständliches Erleben hinzunehmen hat - und uns ist das Ich-Gefühl, das Selbstgefühl ein selbstverständliches Erleben -, oder ob man es auf solchen Wegen, auf Erkenntniswegen, sich erst erringt, wie es für eine ältere orientalische Kultur der Fall war. Da lebte man mit, was im Universum kraftet und wellt und webt, während man heute, wenn man schon auf einem gewissen Niveau dasselbe erlebt, nichts mehr vom Universum miterlebt. Daher offenbarte sich durch seine Übungen die menschliche Selbstheit, die menschliche Ichheit, das menschliche Seelenwesen für den Jogi. Und wir können sagen: Indem dann dasjenige, was auf diesem Erkenntniswege gefunden werden konnte, als Offenbarungen in das allgemeine Kulturbewußtsein überging, wurde es der Inhalt wichtigster geistiger Erzeugnisse älterer Zeiten."

Zur Auflösung der Menschen- und Seelenrätsel muss man nur alle "wichtigen" Nebensätze in den Schriften von Steiner finden. Die wichtigsten Punkte, schrieb Otto Palmer spricht Steiner oft ohne jede Vorwarnung in Nebensätzen an, wie z.B. bezüglich der Ohnmacht des Seelenlebens:

    Wenn der Mensch stirbt, übernimmt dann das allgemeine Naturgeschehen ebenso die seelischen Erlebnisse, wie jedesmal beim Einschlafen?
    -- umformulierend gekürztes Zitat, p52
als könnte man voraussetzen, dass der Leser weiss, dass das beim Einschlafen der Fall ist!

Apropo, der Höhepunkt wird in französisch auch "la petite mort", d.h. "der kleine Tod" genannt. - Nomen est omen und deshalb ist die Wortwahl in jeder Kultur und in deren Abbild, der Sprache, auch so wichtig. Also bräuchte man theoretisch nur einen Frankophonen zu fragen, wer oder was in diesem Moment die Gewalt über die Seelenwelt ausübt, - oder? ;)

Wenn wir nicht bewusst sind (z.b. im Schlaf), dann unterliegen alle Einflüsse dem Naturgeschehen und nicht unserer Kontrolle bzw. unserem Willen. Aber während wir uns nicht selbst steuern, dann müssen es andere Kräfte sein, denn keine Wirkung ohne Ursache.

Im Schlaf bleibt als uns beeinflussender Akteur nur das allgemeine Naturgeschehen über, - wer oder was sollte es sonst sein? Das allgemeine Naturgeschehen ist m.E. das Wirken des gesamten Universums, des Kosmos, d.h., alles was ausserhalb von uns ist, incl. aller Gottheiten im Pantheismus, zu dem sich u.a. Goethe, Steiner und Einstein bekannten. Pantheismus heisst, die ganze Natur bzw. der Kosmos ist Gott.


Lucio Russo in "Freud, Jung, Steiner" ital. - francais verwendet einige Zitate aus diesem Buch.

Anmerkungen:
¹) Eine ausführliche Sammlung diesbezüglicher Aussagen über seine "PdF" ist in Otto Palmers Rudolf Steiner über seine 'Philosophie der Freiheit' zu finden.

²)Freiheit leugnen meint in diesem Zusammenhang, den menschlichen Determinismus beführworten, wie es z.B. auch der renomierte Naturwissenschaftler Wolf Singer in seinem Buch Der Beobachter im Gehirn - Essays zur Hirnforschung tut.

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