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Die Maus, die Fliege und der Mensch - Über die moderne Genforschung

Francois Jacob

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Kurzbeschreibung
François Jacob, Nobelpreisträger, Wissenschaftshistoriker und Pionier der Genforschung, ist wie kein anderer berufen, diese Wissenschaft darzustellen, die wohl in diesem Jahrtausend eine entscheidende Rolle spielen wird - nicht zuletzt deshalb, weil er die Gefahren seines Faches sehr genau kennt und die dunklen Punkte nicht ausspart. Anschaulich und elegant bettet Jacob die Fragestellungen, Wege und Ziele der Genforschung in eine kleine Kulturgeschichte der Tiere ein. Beispiel Fliege: Ehemals Sinnbild der Langeweile und der Nutzlosigkeit, rückte sie in den siebziger Jahren vor allem aufgrund ihrer rasend schnellen Fortpflanzung selbst zum Labor auf - zum Experimentierraum für das Leben schlechthin. An der Fruchtfliege, der Drosophila, wurde die grundlegende Erkenntnis der modernen Genetik gewonnen: Der Unterschied zwischen den Lebewesen liegt nicht in grundsätzlich unterschiedlichen Genen, sondern einer unterschiedlichen Anordnung ganz ähnlicher Bausteine aus dem großen genetischen Baukasten.

Rezension © (2004) by interesting-books-selector.com

Der Biologe FJ hat 1965 den Nobelpreis fuer seine Genforschungen, zusammen mit Jacques Monod und André Lwoff erhalten.

Das Buch fand ich so interessant, dass ich es an zwei abenden durchgelesen habe. Leider enthält es, genauso wie Wolf Singers Buch zum Thema Hirnforschung, einige Wiederholungen, da es auch aus Vorträgen entstanden ist.

Hier eine Annektote, die ich in FJs Buch fand (versehen mit meinen Anmerkungen):

ein skorpion (sozialist) geht am rande eines flusses auf und ab und ueberlegt wie er ans andere ufer kommen kann. kommt ein frosch (unternehmertyp¹) vorbei. sagt der skorpion zum frosch, wenn du mich ans andere ufer bringst, belohne ich dich reich! sagt der frosch, ich bin doch nicht doof! du wirst mich stechen! aber nein, sagt der skorpion, denn dann wuerden wir ja beide untergehen. nach einigem ueberlegen, gab der frosch nach und nahm den skorpion hucke-pack. mitten im fluss sticht der skorpion. fragt der frosch im untergehen, aber du hast mir doch versprochen, nicht zu stechen! warum hast du es doch getan? wir gehen unter! da antwortet der skorpion gelassen, weil es meine natur ist.

Weiter fand ich in FJs Buch, dass Zeus wusste², dass, wenn man die Gefuehle bei der natuerlichen Befruchtung auf einer Skala von 0 bis 10 misst, dass der Mann 1 und die Frau 9 empfindet. Damit hat er sein häufiges Fremdgehen gegenueber seiner Frau (glaube bei FJ hiess sie minos, unten heisst sie Hera) gerechtfertigt, als sie ihm abrechnete (oder "ihm das konto machte", wie es die Frenchwomen das nennen :-).

ich frage mich, ist das also der "grund", warum der mann fremdgehen "muss" aber die frau es nicht "darf"?!?

Was den Sinn der naturwissenschaftliche Forschung im Allgemeinen angeht, kann es nicht schaden bei Goethe anzuklopfen:

    "Nicht indem der Mensch irgendwelchen Geboten des Weltenlenkers nachforscht, handelt er nach dessen Absichten, sondern indem er nach seinen eigenen Einsichten handelt. Denn in ihnen lebt sich jener Weltenlenker dar. Er lebt nicht als Wille irgendwo außerhalb des Menschen; er hat sich jedes Eigenwillens begeben, um alles von des Menschen Willkür abhängig zu machen. Auf daß der Mensch sein eigener Gesetzgeber werden könne, müssen alle Gedanken auf außermenschliche Wertbestimmungen u. dgl. aufgegeben werden."


    -- Ruldolf Steiner, Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung.


¹) weil der frosch der grösste innovator, aber auch der grösste loser in der biologischen evolution war, weil seine eigene rasse selbst nicht von seinem fortschritt bei der entwicklung der säugetiere aus den fischen profitierte; die details dazu habe ich vergessen. falls es interessiert, einfach mal googlen.

²) ausschnitt aus www.lptw.de/vortraege2004/j_k%FCchenhoff.htm

    Neben Ödipus ist die paradoxe Gestalt des blinden Sehers Teiresias vielleicht die eindrucksvollste antike mythologische Figur für die Tabuverletzung im Blick und für deren Bestrafung. Teiresias wird, einer Überlieferung zufolge, geblendet, weil er zwei Schlangen beim Kopulieren beobachtet. Er verstösst also gegen ein Verbot, das psychoanalytisch formuliert worden ist als das Verbot, die Urszene zu betrachten, also die Szene einer Gemeinsamkeit, einer intimen Gemeinsamkeit, die jeden Dritten ausschliesst, so wie die eheliche Verbindung der Eltern die Kinder ausgrenzt und diese damit in die Differenz der Generationen einführt. Wichtiger noch ist die weitere zweite Transgression, die Teiresias erlebt. Er schlägt auf eine der Schlangen, er trifft die weibliche, die Folge ist, dass er nun in eine Frau verwandelt wird. Sieben Jahre lebt er als Frau, dann wiederholt sich die gleiche Situation, diesmal erschlägt er die männliche Schlange, er wird wieder zum Mann. Später hat Zeus, wie so oft, einen Ehekonflikt, einen Ehekonflikt mit seiner Gattin Hera, er will sein häufiges Fremdgehen entschuldigen, er behauptet, dass Frauen ja mehr vom Geschlechtsverkehr hätten, dass er deshalb Qualität durch Quantität ersetzen, immer wieder einen Ausgleich mit anderen Partnerinnen suchen müsse. Teiresias wird als Schlichter angerufen, er kennt ja beide Formen der Lust, und er verteidigt Zeus, weil er sich sicher ist, dass die Liebesfähigkeit der Frau so sehr viel grösser ist. Hera bestraft ihn mit Blindheit, Zeus kann diese Strafe nicht aufheben, kann daraus aber die Sehergabe machen.

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